Herr Nehmsch ihre Frau hat mir im Vorgespräch verraten, dass Sie mittlerweile 60 Jahre alt sind und immer noch aktiv im Einsatz mitmischen. Wie sind Sie denn ursprünglich zur Feuerwehr gekommen?
Ich bin in Reislingen groß geworden und leider gab es dort zunächst keine Jugendfeuerwehr. Als es dann 1975 zu den großen Waldbränden hier in der Region gekommen ist, gab es danach erste Überlegungen Nachwuchsarbeit in der Feuerwehr zu betreiben. Anlässlich des 50. Jubiläums der Reislinger Feuerwehr im Jahr 1976 wurde dann eine Jugendfeuerwehr gegründet, der ich noch im selben Jahr beitrat und seitdem bin ich Feuerwehrmann!
Wie ging es denn dann weiter?
Mit 16 habe ich den Jugendgruppenleiterschein gemacht (heute: Juleica) und war dann als Betreuer in der Jugendfeuerwehr tätig. Es war eine schöne Zeit damals! Noch heute denke ich z.B. gerne an das Stadtzeltlager im Hasselbachtal zurück. An einem verlängerten Wochenende im Sommer traf sich der Feuerwehrnachwuchs aus ganz Wolfsburg um gemeinsam Wettbewerbe zu bestreiten, voneinander zu lernen und die Gemeinschaft zu stärken. Dabei hatte ich die Möglichkeit bekommen in der Lagerleitung u.a. an der Lagerzeitung mitzuarbeiten. Allerdings erinnere ich mich auch daran, dass das schon einen gewissen Aufwand an Organisation bedurfte, so ein großes Zeltlager mitten in der Stadt auf die Beine zu stellen.
Und dann sind Sie in den aktiven Einsatz gegangen?
Mit 17 bin ich in die aktive Wehr übergetreten. Damals wurde die Stadtausbildung der Freiwilligen Feuerwehr Wolfsburg aufgebaut. Während vorher die jungen hauptsächlich durch die älteren Kameradinnen und Kameraden in den Ortswehren ausgebildet wurden, wurde von dem Zeitpunkt an die Ausbildung in Wolfsburg zentralisiert. Das Konzept, das die Mitglieder aller Ortsfeuerwehren an einem Ort gemeinsam die Grundausbildung und weiterführende Lehrgänge absolvieren konnten hat mich so sehr überzeugt, dass ich mich dort auch in der Ausbildungsarbeit engagieren wollte.
1989 bin ich dann nach dem Erwerb der erforderlichen Qualifikationen selbst Ausbilder geworden und bis 2017 auch dabeigeblieben.
Die letzten Jahre waren Sie sogar als Stadtausbildungsleiter tätig. Was reizt Sie an der Ausbildung von Nachwuchskräften?
Gerade in der Ausbildung bei der Feuerwehr treffen Welten aufeinander: Vom Bänker, über die Arzthelferin bis zum Doktor der Physik sind alle Berufsgruppen vertreten. Die wirkliche Herausforderung besteht hier als Ausbilder darin, trotz der unterschiedlichen Voraussetzungen, Kenntnisse und Fertigkeiten am Ende jeden zu einem guten Feuerwehrmann bzw. eine gute Feuerwehrfrau auszubilden.
Letztendlich funktioniert so eine Einsatzmannschaft aber auch als Team, indem man sich gegenseitig unterstützt und jeder seine Stärken und Schwächen hat. Ich sage immer das Wichtigste ist, das Herz muss für die Feuerwehr schlagen! Es ist nämlich ein Unterschied das gelernte Wissen im Übungsraum anzuwenden, oder nachts bei Wind und Schneetreiben, nachdem man vor 15 Minuten aus dem Tiefschlag geklingelt worden ist, adäquate Hilfe zu leisten.
2002 sind Sie zur Feuerwehr nach Ehmen gewechselt und seit letztem Jahr ist auch ihr Sohn hier in der aktiven Wehr dabei. Wie ist es gemeinsam mit dem eigenen Sohn im Einsatzwagen zu sitzen?
Wenn wir auf dem Weg zum Einsatz sind, dann sind wir in erster Linie Kameraden und nicht Vater und Sohn. Ich weiß, dass mein Sohn gut ausgebildet ist, aber natürlich werfe ich den ein oder anderen Blick mehr auf ihn als die anderen im Einsatzgeschehen.
Wieder zuhause besprechen wir dann ab und an auch mal Einsätze nach. Vor allem, wenn diese besonders dramatisch oder gefährlich waren.
Außerdem ist er genau wie ich damals als Betreuer in der Jugendfeuerwehr tätig, da greift er ab und zu auf meine Erfahrungen zurück oder wir tauschen uns über aktuelle Themen aus. Es ist schon eine schöne Sache das Hobby mit seinem Kind zu teilen!
Sie können auf mehr als 40 Jahre Feuerwehr zurückblicken. Was war das bedeutendste bzw. schönste Erlebnis ihrer Laufbahn?
Zunächst fällt mir da spontan das Seifenkistenrennen ein, dass wir zum 25-Jähriges Jubiläum der Reislinger Jugendfeuerwehr organisiert haben. Jugendfeuerwehren aus der ganzen Region kamen, um mit uns um die Wette zu fahren und das ganze Dort hat mitgemacht. Das war wirklich eine coole Aktion!
Als riesige Herausforderung sind mir die Einsätze 2002 im Rahmen der damaligen Hochwasserlage im Gedächtnis geblieben. Nachdem die Situation vor Ort unter Kontrolle war, wurden wir an die Elbe zur Unterstützung entsandt. So eine überörtliche Großeinsatzlage erlebt man nicht so oft und sowas bleibt natürlich im Gedächtnis.
Zuletzt sind es die Bauarbeiten an den Feuerwehrhäusern in Reislingen und Ehmen die 1982 bzw. 2009 stattfanden und wo wir als Kameraden viel in Eigenleistung gemacht haben. Ich glaube, es gibt nicht viele Kameraden, die von sich behaupten können an gleich zwei Feuerwehrhäusern im Stadtgebiet mitgebaut zu haben (lacht).
Unsere traditionelle Abschlussfrage bezieht sich immer auf die Werbung fürs Ehrenamt. Mit welchen Argumenten begegnen Sie Bekannten und Freunden, wenn diese Sie fragen, warum Sie so viel Ihrer Freizeit für andere investieren?
Feuerwehr als eine der ältesten Bürgerbewegungen in unserem Land leistet einen elementaren Beitrag zur kollektiven Sicherheit und ich bin stolz meinen Teil dazu beizutragen! Wir haben zwar in Wolfsburg eine Berufsfeuerwehr, aber spätestens bei größeren Ereignissen muss die auf die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren zurückgreifen.
Ich versuche aber in solchen Gesprächen niemand zu überreden, denn Feuerwehr ist kein Ehrenamt wie jedes andere! Man sollte sich im Vorfeld schon ganz genau überlegen, ob man dazu bereit ist im Einsatzfall z.B. beim Familiengeburtstag alles stehen und liegenzulassen, um schnellstmöglich zur Feuerwehr zu fahren. Gleichzeitig kann man aber auch mit Stolz sagen: Als Feuerwehrmann bzw. Feuerwehrfrau geht man nicht nur eine besondere Verpflichtung ein, sondern die Feuerwehr kümmert sich auch besonders gut um ihre Mitglieder. Das fängt mit der Ausrüstung an, geht bei der Ausbildung weiter und hört, wenn es tatsächlich mal ganz übel läuft, bei der Absicherung im Falle eines Unfalls auf!