Heiße Klassenzimmer und coole Ideen: Was Wolfsburgs Jugend zur Klimaanpassung sagt

Eine Umfrage, rund 250 Teilnehmende und eine Generation, die unmittelbar von den Folgen des Klimawandels betroffen ist. Wir haben in Erfahrung gebracht, was Wolfsburgs Kinder und Jugendliche mit dem Klima verbinden und was sie sich von der Stadt zum Thema Klimaanpassung wünschen.

Eine Frage, viele Antworten

„Dass der Klimawandel nicht aufhaltbar ist und wir Menschen ihn verstärken, durch Ausstoß von Gasen und Schadstoffen.“ „Gletscher schmelzen, es wird wärmer auf der Erde.“ „Er bedroht unsere Zukunft und führt zu einer Generationenungerechtigkeit.“ – und, in aller Kürze: „Ist scheiße, betrifft alle, alle müssen was ändern.“

Diese Aussagen liefern nur einen ersten Einblick in die Gedanken, die junge Menschen in Wolfsburg zum Klimawandel haben. Zwischen November 2025 und Juli 2026 hat der Fachbereich Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Wolfsburg gemeinsam mit dem Bürgerbüro mitWirkung eine Online-Befragung für Kinder und Jugendliche zum Klimaanpassungskonzept durchgeführt. Diese wurde unter anderem an Schulen und Berufskollegs geteilt. Rund 250 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 10 bis ca. 30 Jahren haben mitgemacht. Der Großteil der Befragten (226 Personen) sagt zu Beginn: „Ja, ich habe schon mal vom Klimawandel gehört.“.

Womit der Klimawandel in Verbindung gebracht wird

Der Begriff ist den meisten bekannt, doch was genau haben die Teilnehmenden über den Klimawandel gehört? Genannt wird unter anderem die Erderwärmung, das Schmelzen der Polkappen, der CO₂-Ausstoß, die Abgase, der Regenwald. Da sind Naturkatastrophen, Überschwemmungen, Dürren. Durch die Antworten zieht sich das Gefühl, dass die Sache ernst und dringend ist.

Besonders eindrucksvoll: Einige formulieren den Treibhauseffekt beinahe lehrbuchreif – „der anthropogene Klimawandel erhöht durch Ausschüttung von Treibhausgasen die Absorptionsrate von am Boden reflektierter Wärmestrahlung“ –, andere reduzieren ihn auf einen einzigen Satz: „Das es schlecht ist.“. Dabei fällt auf, dass sich die meisten Antworten auf globale Phänomene wie schmelzende Polkappen oder den weit entfernten Regenwald beziehen. Nur selten wird der Klimawandel direkt mit Wolfsburg in Verbindung gebracht.
Der Begriff Klimaanpassung ist dagegen deutlich weniger bekannt. Nur ein kleinerer Teil kann damit „ganz genau“ etwas anzufangen. 140 Personen (und damit die Mehrheit) wissen zumindest „ein bisschen“ Bescheid. Es zeigt sich, dass Klimaanpassung als Begriff noch deutlicher etabliert werden muss. Genau darauf zielt die Umfrage ab.

Auswirkungen sind im Alltag spürbar

Erst bei der konkreten Nachfrage, was die Kinder und Jugendlichen im Alltag vom Klimawandel bemerken, wird eine Verbindung direkt zu Wolfsburg hergestellt. Hier gibt es eine klare Top-Antwort. 172 Teilnehmende sagen: „Im Sommer fällt es mir sehr schwer, im heißen Klassenzimmer zu lernen.“ Das ist die meistgenannte Antwort überhaupt, vor Hitze (125) und trockenen Pflanzen (112).

Für junge Menschen in Wolfsburg scheint das Thema somit vor allem eine Lern- und Wohlfühlfrage zu sein. Jemand schreibt: „In meinem Zimmer wird es oft so warm, dass noch nicht einmal das Lüften hilft, wenn Sommer ist.“. Dazu kommen trockene Bäume, ausbleibende Winterkälte (102 Nennungen), Flüsse und Seen mit wenig Wasser (100) und Starkregen, der Keller volllaufen lässt (70). Die Natur verändert sich und das scheint auch die junge Generation zu spüren.

Wie und wann sie mitmachen wollen

Von den rund 250 befragten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Wolfsburg zeigten sich bei der Frage nach dem bevorzugten Format für Mitmach-Angebote zur Klimaanpassung klare Präferenzen: „An spannenden Orten wie Kino oder Phaeno“ wurde am positivsten bewertet (rund 25 %). Auf Platz 2 folgen Online-Angebote wie Spiele oder Quizzes (18,9 %). Knapp dahinter liegen Schulprojekte sowie kurze Videos oder Comics (je 16 %). Auch Outdoor-Aktionen wie Schnitzeljagden (15,2 %) und kreativere Formate in Jugendzentren (9,3 %) finden Zuspruch.

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Ergebnisse der Befragten unter 18 Jahren.
Ergebnisse der Befragten über 18 Jahren.

Was sie dabei tun wollen?

Draußen in der Natur sein (Stadtwald, Allersee) landet ganz vorn, gefolgt von gemeinsam mit anderen etwas machen und selbst basteln, bauen, ausprobieren. Der Austausch mit Expert*innen ist beliebt, Wettbewerb auch hier eher nicht. Die Botschaft ist klar: erlebbar machen, mitmachen lassen, reden auf Augenhöhe.
Und die Zeit? Obwohl Formate draußen oder an spannenden Orten gewünscht sind, sind dennoch zeit- und ortsunabhängige Online-Angebote mit insgesamt 120 Nennungen am Stärksten nachgefragt. Eine Infoplattform beispielsweise, kurze Formate, flexibel nutzbar. Danach kommt der Nachmittag ab 16 Uhr (66). Die Schule bleibt der wichtigste Ort: „Macht mal in der Schulzeit“ lautet ein Kommentar, der stellvertretend für viele steht.

Ergebnisse der Befragten unter 18 Jahren.
Ergebnisse der Befragten über 18 Jahren.

Bisheriges Engagement und klare Wünsche

Auf die Frage, was sie schon tun oder tun würden, häufen sich die Vorschläge: Pflanzen gießen bei Hitze, Bäume pflanzen, einen Schulgarten anlegen, weniger Auto fahren, mit dem Rad unterwegs sein, Müll trennen, weniger Plastik, Solaranlagen, andere aufklären. „Ich würde gerne Pflanzen gießen und einpflanzen.“ „Wir könnten einen Schulgarten pflanzen, dann können die Kinder mehr über den Klimawandel lernen.“ „Bäume pflanzen als Aktionswoche in der Schule.“ – Es sind viele kleine, konkrete, machbare Ideen.

Dazwischen aber auch eine kritische, fast schon ungeduldige Stimme: „Die Stadt sollte endlich mal Verantwortung für die junge Generation übernehmen und weniger versiegeln, in Neubaugebieten Baumpflanzungen, Gründächer, Zisternen verpflichtend machen, generell aber weniger bauen.“. Parallel gibt es die versöhnliche Stimme: „Ich finde es gut, dass wir mit einbezogen werden und wir nach unserer Meinung gefragt werden.“ Und: „Schön, dass sich die Stadt Gedanken zum Klimawandel macht.“.

Warum lohnt sich Kinder- und Jugendbeteiligung?

Demokratie lebt davon, dass die Menschen, die eine Politik betrifft, auch gehört werden. Bei der Klimaanpassung geht es um Straßen, Schulen, Natur, Extremwetter und damit um den ganz konkreten Alltag. Ein Konzept, was das Leben aller Personen in unserer Stadt betrifft, kann nicht nur am Schreibtisch entwickelt werden.

Kinder und Jugendliche sind zudem die Generation, die mit den Folgen des heutigen Handelns am längsten leben wird. Wenn es um eine Stadt für die nächsten 30 Jahre geht, haben sie ein besonderes Recht auf Gehör. Eine Klimaanpassung, die nur von Fachleuten kommt, bleibt ein Fachkonzept. Eine, an der die Bürger*innen – und eben auch die Jüngsten – mitgewirkt haben, wird ein gemeinsamer Beitrag für unsere Stadt.

Was passiert mit den Antworten?

Die Ergebnisse der Online-Beteiligung fließen direkt in die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Klimaanpassungskonzept ein. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Maßnahmen im öffentlichen Raum, die Klimaanpassung erlebbar und entdeckbar machen.

Ziel ist es, Klimaanpassung in Wolfsburg sichtbar und verständlich zu machen und zu zeigen, dass auch vor Ort konkrete Möglichkeiten bestehen, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen. Dabei sollen Orte und Angebote entstehen, die Wissen vermitteln, zum Ausprobieren und Entdecken einladen und gleichzeitig Freude machen. So kann Klimaanpassung als etwas Positives und Gestaltbares erlebt werden und Zuversicht für die Zukunft entstehen.

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