Herr Knigge, im Vorgespräch berichteten Sie, dass Ihre „Ehrenamtskarriere“ damals in beim Vorsfelder Ortsverband des DRK begonnen hat. Was hat Sie damals bewogen überhaupt „anzufangen“?
Ich habe über meinen Beruf in der Klinik auch die Nähe zum Rettungsdienst gehabt. In Vorsfelde war eine sehr aktive Bereitschaft, welche Sanitätsdienste beim Motocross in Velstove oder beim Eishockey betreute. So bin ich in diese Gemeinschaft hineingekommen und habe sozusagen meine Wurzeln dort gefunden.
Ehrenamtliches Engagement bietet Menschen die Möglichkeit, Teil einer Gemeinschaft zu werden, in der gemeinsame Ziele verfolgt werden. Diese Erfahrungen können Freundschaften vertiefen und neue soziale Bindungen schaffen.
Insgesamt ist das Ehrenamt unverzichtbar für eine funktionierende und humane Gesellschaft. Es trägt zur sozialen Stabilität bei, fördert das Gemeinwohl und bietet den Menschen die Möglichkeit, aktiv zur Verbesserung ihres Umfelds beizutragen.
Es folgten viele Aus- und Fortbildungen, sodass Sie bald auch erste Leitungs- und Führungsaufgaben beim DRK übernommen haben, oder?
Nun ja, ich bin innerhalb des aktiven Engagements „Mannschaft“ durch Aus-, Fort- und Weiterbildungen recht schnell in den Kreis der Führungs- und Leitungsaufgaben gekommen. Mein vorhandenes Wissen und die Erfahrungen gebe ich so gerne an die Kolleginnen und Kollegen weiter.
Für alle Aktiven selbst bietet das Ehrenamt die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung. Es können neue Fähigkeiten und Kenntnisse erworben werden, die im beruflichen und privaten Leben nützlich sind. Zudem fördert ehrenamtliches Engagement oft das Selbstbewusstsein und das Gefühl von Selbstwirksamkeit.
Einige Jahre haben Sie Wohnortbedingt auch das DRK in Gifhorn unterstützt und dort ein Novum in Niedersachsen geschaffen. Hier stellten Sie den ersten Wasserrettungszug im Bundesland auf. Wie ist es dazu gekommen und vor welche besonderen Herausforderungen stellte Sie eine derartige Organisation?
Mittlerweile bin ich seit 2023 wieder zurück im Kreisverband Wolfsburg. Im Kreisverband Gifhorn haben wir schon recht früh in einer Gegend mit viel Seen, Flüssen und Kanälen eine Wasserwacht-Gruppe in Niedersachsen gegründet. Dieses gab es lediglich in der Landeshauptstadt Hannover mit Booten. Spezialisiert haben wir uns auf das Thema Rettungstaucher und die Hubschraubergestützte Tauchrettung. Als 2006 das Elbhochwasser war, stellten wir einen „Wasserrettungszug Niedersachsen“ mit der Wasserwacht Hannover-Empelde und der Wasserwacht Verden erstmalig innerhalb weniger Stunden auf. Dies war die „Geburtsstunde“ der Kooperation der Wasserwachten in Niedersachsen. Gemeinsam mit Booten und Tauchern trafen wir uns in Marienborn an der A 2 und fuhren zur Hochwasserhilfe nach Lostau / Sachsen-Anhalt. Vor Ort war praktisch keine Infrastruktur mehr. Dort waren unsere Taucher unter Lebensgefahr damit beauftragt, Deichschutz mit Sandsäcken unter Wasser zu errichten. Falk Seipel wurde mit der Bundespolizei als Luftretter in der hubschraubergestützten Tauchrettung in Pirna eingesetzt. Ich habe diese Einsätze als Kreisbereitschaftsleiter koordiniert.
Später gab es eine länderübergreifende Hilfsanfrage an unseren Landesverband, sodass auch die Hilfszugabteilung des Landesverband Niedersachsen e.V. in das Schadensgebiet für mehrere Tage abgeordnet wurde. Auch waren Einheiten von uns beim Hochwasser in Lüchow-Dannenberg an der dortigen Elbe gebunden.
Als 2013 erneut Hochwasserhilfe angefordert wurde, waren wir ein „eingespieltes Team“ mit Spezialkräften für diese Einsatzlage.
Seit 2014 sind Sie nun Bezirksvertreter im Landesverband des DRK und haben damit auch die Verantwortung für die richtigen großen Einsätze und Veranstaltungen übernommen. Welche sind Ihnen hier besonders in Erinnerung geblieben?
Mittlerweile ist diese administrative Stellvertretung unserer Landesbereitschaftsleitung ein umfangreiches Aufgabenfeld für ganz Niedersachsen geworden. Große Einsätze waren die Frauen-Fußball-WM in Wolfsburg, zweimal der Tag der Niedersachsen in Wolfsburg oder die Ertüchtigung und Betrieb des Camp Ehra-Lessien. 2015 musste dort eine Infrastruktur geschaffen werden um innerhalb weniger Tage 1500 Flüchtlinge aufnehmen zu können!
Ehrenamtliche Arbeit ist oft Ausdruck von Solidarität und Mitmenschlichkeit. Sie trägt dazu bei, dass wichtige gesellschaftliche Werte wie Empathie, Respekt und Verantwortung gelebt und weitergegeben werden.
Ehrenamtliche Tätigkeiten ergänzen staatliche Dienstleistungen, die durch begrenzte Ressourcen nicht alle gesellschaftlichen Bedürfnisse abdecken können. Ehrenamtliche füllen diese Lücken und sorgen dafür, dass besonders benachteiligte Gruppen Unterstützung erhalten. Dieses konnte hier gut unter Beweis gestellt werden.
Wie sieht Ihre ehrenamtliche Zukunft aus? Was würden Sie gerne noch in diesem Zusammenhang erleben, oder lernen?
Ausbildungstechnisch habe ich alles mitgenommen; natürlich ist dieses aber nicht als Stillstand zu werten. Ich möchte Leute animieren, sich gesellschaftlich ehrenamtlich zu engagieren. Das Ehrenamt verdient definitiv einen Daumen hoch! Es ist großartig, wie viele Menschen ihre Zeit und Energie investieren, um anderen zu helfen und die Gemeinschaft zu stärken. Ihr Einsatz macht einen echten Unterschied und zeigt, wie stark Solidarität und Mitgefühl unsere Gesellschaft prägen können. Solange die Gesundheit es zulässt, werde ich dieses ausfüllende Ehrenamt weiter betreiben. Gerade in der heutigen Zeit kann man nur betonen, dass ehrenamtliches Engagement den sozialen Zusammenhalt fördert und das Gemeinschaftsgefühl stärkt. Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, helfen anderen und schaffen dadurch ein Netzwerk von Unterstützern, das die Gesellschaft widerstandsfähiger gegen soziale Probleme macht.
Wir beenden unser Interview traditionell mit der Frage wie unsere Interviewpartner fürs Ehrenamt werben. Wenn also im Freundes- oder Bekanntenkreis das Gespräch auf Ihr Ehrenamt kommt – was sagen Sie, wenn Sie gefragt werden, wie Sie das alles zeitlich unter einen Hut bekommen und warum Sie all die Jahre im Dienste des DRK unterwegs waren, bzw. sind?
(lacht) Andere spielen an den Wochenenden Fußball. Natürlich muss man dieses neben Beruf und Familie alles unter einen Hut bekommen. Aber das dieses zu leisten ist, habe ich (glaube ich) durch meine langjährige Tätigkeit in diesem Ehrenamt beweisen können.
Die Stadt Wolfsburg ehrt dieses Engagement mit Ihrem Interesse an unserer Arbeit. Hierfür von meiner Seite auch mal ein Dankeschön. Man erfährt entsprechende Wertschätzung für seine Arbeit und das sollte einen noch mehr anspornen, dieses weiterhin zu tun.