Im Interview: Gunnar Peters – Freiwillige Feuerwehr Heiligendorf

Herr Peters, beginnen wir doch gerne ganz von vorne. Wie sind Sie damals zur Feuerwehr gekommen?

Ich war 10 Jahre alt, als ich in Heiligendorf damals in die Jugendfeuerwehr eingetreten bin. Mein Vater war seitdem ich denken kann bei der Feuerwehr und auch seine beiden Brüder, allerdings in einem anderen Ort. Da ist man quasi so reingewachsen. Feuerwehr hat irgendwie immer dazugehört, sei es beim Dorffest oder am Abendbrottisch, wenn mein Vater vom letzten Einsatz berichtet hat.

Und wie ging es dann für Sie weiter?

Mit 17 bin ich in die Erwachsenenwehr übergetreten und da musste ich erstmal die notwendigen Qualifikationen erwerben. Während in der Jugendfeuerwehr der Spaß und die Gemeinschaft im Vordergrund steht und natürlich auch eine Grundausbildung an dem technischen Gerät, braucht man in der Erwachsenenwehr verschiedene Ausbildungen und Lehrgänge, um im Ernstfall im Einsatz die verschiedenen Tätigkeiten ausführen zu dürfen.

Was bedeutet denn „verschiedene Tätigkeiten“? Mussten Sie auch schon mal in ein brennendes Haus gehen?

Ja. Ich weiß noch, als ich damals ganz frisch meinen Lehrgang als Atemschutzträger absolviert hatte, wurden wir zum Brand im Brauhaus in Fallersleben gerufen. Als wir dort ankamen, sah man schon aus dem Einsatzfahrzeug die meterhohen Flammen.

Mir wurde sehr mulmig bei dem Gedanken, da jetzt reinzugehen, obwohl ich ja nach meiner kürzlich abgeschlossenen Ausbildung eigentlich dazu befähigt war. Es wurde aber schnell klar, dass keine Personen mehr im Gebäude sind und ein betreten lebensgefährlich und nicht mehr vonnöten wäre. Das war eine große Erleichterung und dieser Einsatz ist mir in bleibenden Erinnerung geblieben.

Danach gab noch zwei Einsätze wo ich tatsächlich mal in so ein Haus reinmusste:

2021 bei dem Brand des Restaurants Pizzawald in Fallersleben. Hier haben wir im Nebengebäude ein Übertreten des Feuers zu verhindern versucht. Unter anderem musste ich unter Atemschutz Deckenbalken mit der Kettensäge zersägen.

Außerdem war es glaube ich 2019 als zwischen Hattorf und Heiligendorf eine kleine Hütte an einem Teich abgebrannt, bei der ich unter Atemschutz die Löscharbeiten in der Hütte vorgenommen habe.

Das klingt nach schwierigen Einsätzen! Welches Erlebnis bei der Feuerwehr ist Ihnen denn in besonders schöner Erinnerung geblieben?

Hier gibt es nicht den einen Einsatz, der mir einfällt. Am besten ist es immer, wenn wir schnell genug eingreifen konnten,um Schlimmeres zu verhindern und am Ende alle heil wieder im Feuerwehrhaus sind.

Was macht den besonderen Reiz des Feuerwehr Ehrenamtes für Sie aus?

Hm, da muss ich kurz überlegen? Irgendwie hat es bei mir immer dazugehört, sodass ich mich gar nicht wirklich bewusst für die Feuerwehr entschieden habe. Aber tatsächlich habe ich durch mein Engagement bei der Feuerwehr viele Dinge gelernt und erlebt, die ich sonst in meinem Schreibtischjob als Maschinenbauingenieur so nicht gemacht hätte – sei es der LKW Führerschein, oder auch der Umgang mit schweren technischen Gerät. Das macht schon Spaß und ist immer wieder eine besondere Herausforderung!

Ein anderer Aspekt ist die Wertschätzung, die man bei der Feuerwehr erfährt! Wenn wir mal wieder nach einem Starkregenereignis einen Keller ausgepumpt haben und der Hausbesitzer danach dankbar mit einer Kiste Bier auf der Wache vorbeikommt, um sich zu bedanken – da merkt man, wie wichtig unsere Arbeit hier ist!

Wie vereinbaren Sie das Ehrenamt mit ihrem Job und der Familie?

Ich bin jetzt 36 Jahre alt und meine Frau und ich haben zwei kleine Kinder, da bleibt leider weniger Zeit für die Feuerwehr als früher. Trotzdem bin ich im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten immer noch gern dabei.

Wie schon gesagt ist der Einsatz bei der Feuerwehr auch ein guter Ausgleich zu meinem Schreibtischjob. 🙂

Unsere traditionelle Abschlussfrage bezieht sich immer auf die Werbung fürs Ehrenamt. Mit welchen Argumenten begegnen Sie Bekannten und Freunden, wenn diese Sie fragen, warum Sie so viel Ihrer Freizeit für andere investieren?

Die Situation kommt in meinem Freundes- und Bekanntenkreis so gut wie nie vor, da die meisten meiner Freunde und Bekannten in der Feuerwehr sind oder jemanden bei der Feuerwehr haben! Für uns alle ist es tatsächlich relativ selbstverständlich sich zu engagieren. Das zeichnet unser Dorf vielleicht auch ein bisschen aus! Ich erinnere mich an eine Rede unseres Bürgermeisters  Marco Meiners der mal sinngemäß sagte: „Wenn wir bei unserer örtlichen Feuerwehr anfragen, ob sie diese oder jene Aktion unterstützen können, dann überlegen die nicht lange, sondern fragen wie viele Personen gebraucht werden.“

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