Im Interview: Michael Friedl – Engagiert sich beim DLRG

Herr Friedl wie sind Sie zu ihrem Engagement bei der DLRG gekommen?

Das war eigentlich ganz unspektakulär: Ich war schon immer gerne am und im Wasser unterwegs und habe mich 2016 aus Interesse und Neugier bei der DLRG zum Rettungsschwimmen angemeldet. Anfangs hatte ich ein bisschen Sorge, dass ich das vielleicht nicht schaffen könnte, weil ich vorher noch nie im Verein oder so geschwommen bin; die war aber gänzlich unbegründet. Jedenfalls habe ich dabei mitbekommen, dass die DLRG-Leute alle mit Begeisterung dabei sind und richtig viel Spaß an ihrer Arbeit haben. Da habe ich kurzerhand gefragt, ob ich mich ebenfalls engagieren könnte und bin seitdem in der Schwimmausbildung dabei. Im Sommer habe ich mir dann auch den Wasserrettungsdienst am Allersee angeschaut und ich habe festgestellt, dass mir das mindestens genauso viel Spaß macht, wie die Schwimmausbildung.

Sie berichten im Vorgespräch, dass Sie inzwischen ausgebildeter Schwimmlehrer sind und nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen das Schwimmen beibringen. Was macht Ihnen dabei mehr Spaß – die Arbeit mit den Kindern oder mit den Erwachsenen und unterscheidet sich das „Beibringen“ der grundlegenden Fertigkeiten hierbei sehr?

Was mehr Spaß macht, kann ich so pauschal gar nicht sagen. Beides ist toll. Das eigentliche Schwimmenlernen unterscheidet sich gar nicht so sehr. Sie haben aber recht, die Arbeit mit Erwachsenen ist schon ein bisschen anders als mit Kindern. Erwachsenen fällt es oft schwer, Bewegungsabläufe zu verändern, die jahrelang verinnerlicht wurden. Dafür kommen sie meist mit einer ganz besonderen Motivation und dem Willen, schwimmen lernen zu wollen. Außerdem kann man Erwachsenen erklären, warum eine bestimmte Übung gerade notwendig ist. Kinder interessiert das alles nicht. Die sind natürlich auch wahnsinnig stolz auf ihre Leistungen, wollen aber vor allem Spielen und Toben und zeigen, was sie schon alles können. Das Schwimmenlernen muss deshalb in erster Linie so gestaltet werden, dass es den Kindern Spaß macht. Neben dem Einsatz am Beckenrand sind Sie ja vor allem im Sommer selbst als Wasserretter aktiv.

Beschreiben Sie hier doch mal eine „normale Schicht“ – was macht man als Wasserretter am Allersee an einem Sommertag mit 30 Grad im Schatten?

Vor allem schwitzen (lacht). Nein, im Ernst. Meistens fängt so ein Tag mit einem gemeinsamen Frühstück an. Davor wird allerdings noch das Boot zu Wasser gelassen und die Wasserrettungsstation vorbereitet. Während des Frühstücks bespricht der Wachführer dann den Tag. Wie viele Besucher werden erwartet? Finden Veranstaltungen statt? Gibt es spezielle Aufgaben zu erledigen? Solche Dinge. Da die meisten Besucher erst am Nachmittag zum Allersee kommen, bleibt bis dahin in der Regel noch Zeit zum Üben und Trainieren. An einem so heißen Sommertag natürlich gerne etwas im Wasser. Zum Beispiel wie man eine verunfallte oder sogar bewusstlose Person aus dem Wasser auf das Boot bekommt. Das muss regelmäßig geübt werden, damit es dann im „Ernstfall“ auch sitzt. Der Allersee ist dann eine schöne Erfrischung. Sobald es voller wird, ist es damit aber vorbei. Nun geht es darum, den Badegästen und Besuchern bei kleineren oder größeren Unfällen zu helfen. Dafür ist ein Team auf dem Boot unterwegs und ein weiteres Team geht am Strand entlang und schaut, ob jemand Hilfe benötigt. Badeunfälle und medizinische Notfälle sind zum Glück selten. Aber wir werden z.B. oft angesprochen, wenn ein Kind in eine Muschel oder eine Scherbe getreten ist. Außerdem suchen wir auch von uns aus Kontakt zu den Besuchern und Badegästen und geben Tipps für das sichere Verhalten am und im Wasser. An einem so heißen Tag braucht man nach einer Runde am Strand aber auf jeden Fall eine kleine Pause. Schatten, Sonnencreme, Eis und vor allem ganz viel Wasser. Am Abend wird dann das Boot wieder aus dem Wasser geholt, die Wasserrettungsstation aufgeräumt und alles für den nächsten Tag vorbereitet.

Wenn Sie an die letzten sieben Jahre bei der DLRG zurückdenken – gibt es ein Erlebnis, was Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Da gibt es viele kleinere und größere Momente. Wenn z.B. ein Kind das erste Mal die 25 Meter-Strecke fürs Seepferdchen schafft und dann mit strahlenden Augen aus dem Becken steigt, jemand nach langem Training sein ersehntes Abzeichen schafft oder wenn ein Teilnehmer so viel Spaß an der Ausbildung hatte, dass er oder sie sich danach weiter aktiv engagieren möchte. Eine Besonderheit sind aber auf jeden Fall auch immer die Veranstaltungen die wir am Allersee absichern. Da wird es immer spannend. Egal ob Regatta, Schwimmveranstaltung, Familienfest oder Bulli-Treffen. Beim Triathlon zum Beispiel bauen wir am Vortag die Schwimmstrecke auf. Auch wenn wir mittlerweile GPS nutzen, ist es eine Herausforderung, die riesigen Start- und Wendebojen an die richtigen Stellen zu bringen – und dort zu befestigen. Gerade wenn Wind weht, fangen die an, ein Eigenleben zu entwickeln und dann kann das schon mal den ganzen Tag dauern.

Wir beenden unser Interview immer gerne mit der Frage wie Sie andere Menschen vom Ehrenamt überzeugen. Wenn Sie als von einem Bekannten gefragt werden, warum Sie einen so großen Teil Ihrer Freizeit in den Dienst der DLRG stellen – was antworten Sie?

Das ist ganz einfach. Es macht unglaublich viel Spaß, lauter nette Leute und es ist eine super Stimmung. Nicht umsonst lautet unser Slogan: Wasserrettung im Team

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