Frau Altenhofen laut Ihrer Internetseite arbeiten bundesweit bei der TelefonSeelsorge nur rund 300 festangestellte Mitarbeitende und über 7.000 Ehrenamtliche. Normalerweise führen wir dieses Interview mit Ehrenamtlichen, aber heute sprechen wir mit Ihnen als der Leitung der TelefonSeelsorge. Natürlich weiß ich, dass es dafür eine gute Erklärung gibt, aber die interessieren unsere Leser sicherlich auch!
Ich versuche in meinen Schilderungen möglichst nahe an den Erfahrungen unserer Ehrenamtlichen zu bleiben. Um sie und auch die NutzerInnen der Angebote der TelefonSeelsorge zu schützen, treten unsere Ehrenamtliche nicht in die Öffentlichkeit. Manchmal würde ich ihnen mehr Präsenz, z.B. in den Medien wünschen, da sie wirklich eine außerordentliche und gesellschaftlich wichtige Arbeit leisten. Aber die Angebote der TelefonSeelsorge leben von der Anonymität. Niemand muss seinen Namen oder seinen Herkunftsort nennen. Das macht es vielen Menschen leichter, sich mit ihren Sorgen und Ängsten an uns zu wenden. Und genauso bleiben unsere SeelsorgerInnen am Telefon oder in Chat und Mail anonym.
Wie kann man ihr Team unterstützen?
Damit wir 24 Stunden am Tag für Menschen in Krisensituationen erreichbar sind, suchen wir immer wieder Menschen, die ehrenamtlich bei uns mitarbeiten wollen. Wir bieten dazu vorab eine qualifizierende Ausbildung mit viel Praxis und Theorie sowie einer guten Begleitung durch AusbilderInnen, SupervisorInnen und erfahrenen SeelsorgerInnen an. Die Ausbildung dauert ca. ein Jahr und bereitet gut auf die Begegnungen in der Seelsorge vor.
Wieviel Anrufe bekommen Sie täglich? Kann man jahreszeitbedingt ein höheres Anrufaufkommen beobachten?
Unser Telefon steht niemals still. Es dauert oft nur wenige Sekunden bis Minuten, bis nach dem Auflegen ein neuer Anruf eingeht. Genauso ist es in der Online-Seelsorge. Sobald wir einen Chattermin anbieten, ist er auch schon belegt. Von unserer Stelle aus führen wir im Jahr rund 8.000 Gespräche, 600 Mails und 400 Chats.
Zu den aktuellen gesellschaftlichen Krisen, die viele Menschen verunsichern und auch erschöpfen, kommen nun zur Weihnachtszeit und dem Jahreswechsel die persönlichen Krisen dazu. Viele Menschen nehmen in dieser Zeit besonders wahr, wie einsam sie sich fühlen. Ein Gespräch mit einer unserer Seelsorgerinnen kann dann eine echte Entlastung sein und neuen Mut und vielleicht auch neue Ideen geben für die Feiertage oder das neue Jahr.
Die ehrenamtlichen Ohren bei Ihnen führen sicherlich oft sehr belastende Gespräche. Wie werden sie im Nachgang unterstützt damit umzugehen?
Wir bereiten in der Ausbildung schon sehr gut auf die Herausforderungen der Gespräche vor. Vielen hilft es dann, sich bei der Übergabe mit der Ablösung im Dienst auszutauschen. Auch unsere regelmäßigen Supervisionsgruppen, in welchen alle Ehrenamtlichen von professionellen SupervisorInnen begleitet werden, sind eine echte Unterstützung, um Gespräche nochmal gemeinsam zu reflektieren. Im Hintergrund ist außerdem eine hauptamtlich besetzte Rufbereitschaft im Einsatz, um in besonders kritischen Situationen an der Seite der Ehrenamtlichen zu stehen.
Weihnachten als schönste Zeit des Jahres. Leider wird das nicht von allen Menschen so empfunden. Viele Menschen fühlen sich in dieser Zeit einsam oder empfinden die Feiertage als zusätzliche Belastung. Können Sie das aus Ihrer Erfahrung bestätigen? Welche Tipps haben Sie für betroffene Menschen oder auch das Umfeld dieser Menschen? Und: Ist ihr Team auch am Heiligen Abend im Einsatz?
Erfreulicherweise Weise sind unsere Ehrenamtlichen auch an allen Feiertagen und vor allem auch in den Nächten im Einsatz und damit für Menschen erreichbar. Unsere SeelsorgerInnen haben einen ganz guten Überblick, welche hilfreichen Angebote es über Weihnachten gibt, von Krisenintervention bis Begegnungsmöglichkeiten.
Aber oft hilft auch bereits das Gespräch oder der Chat mit der TelefonSeelsorge. Wir sind manchmal der einzige zwischenmenschliche Kontakt am Tag. Und unsere Erfahrung zeigt: bereits diese Begegnung kann schon entlastend wirken. Zuhören hat eine heilsame Wirkung.
Unsere letzte Frage beschäftigt sich immer mit der Werbung für das Ehrenamt: Wenn Sie im Bekannten- oder Freundeskreis angesprochen werden wie das bei der Telefonseelsorge so ist und ob man da mal „reinschnuppern“ könnte. Was antworten Sie?
Ein Ehrenamt bei der TelefonSeelsorge ist auf jeden Fall „lebensbereichernd“. Sie bekommen die Chance, persönlich zu wachsen und sich weiterzuentwickeln, sie erfüllen eine sinnhafte Aufgabe und werden Teil einer großen Gemeinschaft.
Ich lade jede/n, der sich dafür interessiert herzlich zum Gespräch mit mir ein. Rufen Sie gerne an, schreiben Sie mir eine Mail. Ich berichte gerne noch mehr zu unserer Arbeit. Eine ganz konkrete Möglichkeit uns zu erleben ist am Mittwoch, 20.12.2023 auf dem Weihnachtsmarkt in Wolfsburg, denn da sind wir in der Ehrenamtshütte vertreten.