Herr Sprenger, im Vorgespräch berichteten Sie, dass Sie bereits seit mehr als 30 Jahren Feuerwehrmann sind. Seit ein paar Jahren nun sogar als sogenanntes Doppelmitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte. Was versteht man darunter?
Ich bin stellvertretender Ortsbrandmeister an meinem Wohnort Hemkenrode und damit eigentlich gut eingespannt. Vor einigen Jahren gab es dann allerdings eine Gesetzesänderung, die es ermöglicht neben dem Einsatz als Feuerwehrmitglied in der Heimatgemeinde, sich auch noch am Arbeitsort im Einsatzgeschehen zu engagieren. Da ich als ausgebildeter Atemschutzträger (AGT) eine besondere Ausbildung habe, die nicht so weit verbreitet ist, dachte ich, dass ich mich gut hier an meinem Arbeitsort in Wolfsburg zusätzlich einbringen könnte. Mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte vor 7 Jahren bin ich also auch hier im Stadtgebiet bei den Einsätzen dabei!
Welche Ausbildung muss man bei der Feuerwehr denn absolvieren, um „schweren Atemschutz“ tragen zu können? Sind Sie dann im Zweifel derjenige, der in das brennende Haus reinläuft?
Neben der Grundausbildung habe ich eine Funkerausbildung und die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger absolviert. Hier gibt es besondere gesundheitliche Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen (z.B. ein ausreichendes Lungenvolumen etc.) und dann gibt es einen theoretischen und praktischen Abschnitt mit anschließender Prüfung. Die Tauglichkeit als Atemschutzgeräteträger wird auch jährlich überprüft!
Und das brennende Haus?
(Lacht) also als Gruppenführer koordiniere ich eigentlich eher wer von den Kameraden wann in das brennende Haus läuft, aber na klar: Im Ernstfall laufe auch ich rein. Was die wenigsten außerhalb der Feuerwehr wissen ist aber, dass sich ein Großteil der Feuerwehrtätigkeit heute nicht mehr auf die Brandbekämpfung entfällt. Bei unseren Einsätzen übernehmen wir meisten technische Hilfeleistungen, d.h. Bergung oder Aufräumarbeiten bei Verkehrsunfällen leisten, oder die Infrastruktur schützen bzw. wiederherstellen nach schweren Unwetterlagen (z.B. Sturm oder massive Regenfälle).
Die Großbrände, wie man sie aus Zeitung oder Fernsehen kennt, sind heute relativ selten geworden, aber wenn ist der Atemschutz unabdingbar. In unseren Wohnungen und Häusern sind heutzutage so viele Chemikalien verbaut bzw. in der Einrichtung enthalten, dass Menschen eher weniger Gefahr laufen wirklich zu verbrennen, sondern eher an den Gasen der entweichen Giftstoffe beim Brand ersticken. Da ist der Atemschutz natürlich unabdingbar!
Welcher Einsatz aus ihrer bisherigen Feuerwehrlaufbahn ist Ihnen denn am meisten in Erinnerung geblieben?
Ich bin einmal mit der „Kreisbereitsschaft Wolfenbüttel“ zu einer Übung Richtung Magdeburg auf einem Militärgelände aufgebrochen. Ich fuhr dort das Leitfahrzeug und hinter uns fuhren 43 Feuerwehrfahrzeuge, das war schon beeindruckend! Auch die Übung war in diesem Ausmaß nicht nur logistische Herausforderung, sondern hat mich auch stolz gemacht, Mitglied in einem Verbund zu sein, der so gut organisiert ist und hervorragend auf die gemeinsame Zusammenarbeit abgestimmt ist.
Stellvertretender Ortsbrandmeister mit Atemschutzausbildung und zusätzlichem Engagement als Doppelmitglied hier in Wolfsburg. Wie vereinbaren Sie all das mit Beruf und Privatleben?
Das weiß ich manchmal auch nicht (lacht). Natürlich macht es die Sache einfacher, dass ich hier in Wolfsburg nur geringfügige Dienste absolvieren muss und sonst nur im Einsatzfall dabei bin. Beruflich halten mir meinen beiden Geschäftspartnerinnen den Rücken frei. Meine Hauptausbildung mache ich in meiner Heimatgemeinde, wo die Wege für mich entsprechend kurz sind. Außerdem sind meine Kinder mittlerweile groß und so bleibt mehr Zeit für mein Hobby: Feuerwehr!
Zuletzt unsere Standardfrage: Wenn Sie sich mit jemanden aus dem Bekanntenkreis unterhalten und dieser Ihnen verrät, dass er oder sie mit dem Gedanken spielt, sich ebenfalls ehrenamtlich zu engagieren. Was würden Sie ihm bzw. ihr mitgeben?
Da ich auf dem Dorf wohne, komme ich naturgemäß schnell mit neuen Einwohnerinnen und Einwohner in Kontakt. Diesen biete ich aktiv an, sich doch bei uns zu engagieren und so Teil einer tollen Dorfgemeinschaft zu werden! Ansonsten gilt: Einfach mal ausprobieren – es kostet ja nichts, denn den Helm zahlt der Bürgermeister.